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Uran im Phosphatdünger


Wie unsere Ackerböden radioaktiv belastet werden



Thomas Klein - 28. Februar 2012 

 

Im Oktober 2011 erreichte die Zahl der Weltbevölkerung die Marke von 7 Milliarden Menschen. Jedes Jahr kommen etwa 80 Millionen hinzu – so viele Menschen wie in Deutschland leben.

Diese Menschenmassen wollen mit Nahrung versorgt sein. Das erfordert immer weitere Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft mit Hilfe von Düngemitteln, vor allem mit Stickstoff, Kalium und Phosphat. Doch die Folgen werden kaum bedacht.

 

Vorsicht Phosphatdünger!

Für die Herstellung von Phosphatdünger werden phosphathaltige Gesteine abgebaut. Diese enthalten je nach Lagerstätte beachtliche Konzentrationen an hochgiftigen Schwermetallen wie Kadmium, Blei und Uran, sowie Arsen und Fluorverbindungen. Über den Dünger gelangen diese Gifte in den Boden, reichern sich dort an und werden über die Nahrungspflanzen vom Menschen aufgenommen.

Greifen wir uns ein Element heraus: das äußerst giftige und radioaktive Element Uran. Dessen Gehalt in Rohphosphat liegt bei etwa 15 bis 75 mg/kg, der von Superphosphat bei 80 bis 190 mg/kg. Zwei-Nährstoff-Dünger (NP oder PK) enthalten immerhin noch 89 bis 96 mg/kg Uran, so die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (Uran auf dem Acker: Phosphatdünger können große Mengen an Uran enthalten).

Bei durchschnittlicher Düngung werden jährlich 10 bis 22 Gramm Uran pro Hektar Ackerfläche ausgebracht. Dem stehen jährliche Verluste durch Auswaschung, Verwehung und Ernte von allenfalls einem Gramm gegenüber. Uran reichert sich somit im Boden an. Das heißt, in den letzten fünfzig Jahren wurde mit dem Dünger etwa ein Kilogramm strahlendes Uran pro Hektar Ackerland ausgebracht.

In ganz Deutschland gelangten in all den Jahren über Dünger mindestens 12.000 bis 15.000 Tonnen reines Uran auf die Ackerflächen. 120 bis 250 Tonnen kommen pro Jahr hinzu! Ungeheuerlich.

Man stelle sich vor, Atomkraftwerke würden nur ein Millionstel davon über die Luft abgeben. Sie würden sofort stillgelegt, und zwar schon morgen früh. Aber die Hochertragslandwirtschaft wird ignoriert und mit gigantischen Subventionen gefördert.

 

Vermeintliche Alternativen

Der Urangehalt von Mist und Gülle ist meist relativ gering (weit unter 1 mg/kg) und von den Böden abhängig, wo die Tiere weiden und deren Futterpflanzen wachsen. Doch die Düngung mit Exkrementen ist keine Alternative. Denn das Phosphat, das die Tiere ausscheiden, haben sie zuvor mit dem Futter aufgenommen. Es wird dem Boden im Kreislauf lediglich wieder zugeführt.

Mit dem Kauf von Futter kann der Viehhalter zwar auf seinen Flächen über Mist und Gülle mehr Phosphat ausbringen, als entnommen wird. Allerdings sind die Futterproduzenten mit einem Phosphatdefizit konfrontiert und müssen dieses durch Phosphatdünger ausgleichen.

Mist und Gülle fallen ganzjährig an. Doch im Winter ruht das Pflanzenleben, kein Phosphat und Nitrat wird aufgenommen. Wird Gülle dennoch auch im Winter ausgebracht, werden Phosphat und Nitrat ins Grundwasser ausgewaschen und belasten Flüsse, Seen und Meere, bis hin zum ökologischen Tod der Gewässer durch Eutrophierung.

Guano, ein feinkörniges Gemenge verschiedener Kalziumphosphate, wäre eine Alternative, ist aber weltweit nur noch in geringen Mengen verfügbar. Die meisten Vorräte sind bereits abgebaut. – Guano entsteht, wenn Kolonien von Meeresvögeln auf kalkhaltigen Böden nisten, Phosphate aus ihren Exkrementen in das Gestein eindringen und sich allmählich eine Schicht phosphorsaurer Kalksande oder Kalkgesteine bildet.

 

Verschlimmerung durch „grüne“ Politik

Die energetische Nutzung von Pflanzen wird subventioniert und ständig ausgeweitet. Dazu gehört die Gewinnung von Pflanzenöl für Biodiesel und Ethanol aus Zuckerrüben, Mais und Weizen als Beimischung zum Benzin (E 10). Wenn Biomasse energetisch verwertet wird, wird dem Boden mit jeder Ernte noch mehr Phosphat entzogen. Diese Verluste müssen mit Dünger ausgeglichen werden, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.

Auch werden dem Anbau von Nahrungspflanzen Flächen entzogen. Die Preise für Nahrungsmittel steigen und in den armen Ländern müssen immer mehr Menschen hungern.

Der Druck zur Ertragssteigerung nimmt zu. So werden noch mehr phosphathaltige Dünger verwendet und die Böden noch stärker durch Uran, Kadmium und Fluor belastet.

Die Uranbelastung der Umwelt steigt also dank „grüner“ Politik. Um es überspitzt zu formulieren: Was ist schon ein sicher betriebenes Atomkraftwerk in Deutschland gegenüber grün lackierten Diktatoren, welche die Belastung der Umwelt mit radioaktiven und hochgiftigen Stoffen verschlimmern.

Aber das ist noch nicht alles: Wälder und Naturlandschaften, besonders in den Tropen und Randtropen, werden unwiederbringlich zerstört, um neue landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Oft werden sie einige Jahre später als erschöpftes Ödland wieder aufgegeben. Das Ausmaß der Naturzerstörung infolge „grüner“ Politik ist erschreckend (mehr darüber in meinem Buch Fleischverzehr – Über die schwerwiegenden Folgen für Mensch, Natur und Umwelt).
 


 


 
Thomas Klein

Fleischverzehr

Über die schwerwiegenden Folgen für Mensch, Natur und Umwelt

Taschenbuch - 9,80 Euro


Wo ein Jäger lebt, können zehn Hirten leben,
hundert Ackerbauern oder tausend Gärtner.   
Alexander von Humboldt















 



Der Ausweg

Beim Biolandbau sind Mineraldünger verboten, somit auch das Ausbringen von Phosphaten. Dadurch bleibt den Böden die Belastung mit Uran und anderen Schwermetallen erspart. Doch die früher erfolgte Belastung ist nicht mehr rückgängig zu machen, der Urangehalt des Bodens nimmt nur langsam im Laufe von Jahrzehnten ab.

Die Erträge beim Biolandbau fallen geringer aus, wodurch der Druck zur Ertragssteigerung auf den übrigen Flächen zunimmt und die Belastung durch Dünger in der Summe kaum gemindert wird.

Ohne Dünger sind die Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft weitgehend ausgeschöpft. Entlastung ist nur durch Änderung der Ernährung möglich. Diese ist aber gewaltig: Fleischkost erfordert, in Kalorien gerechnet, die 100- bis 400-fache Fläche gegenüber Pflanzenkost (mehr darüber in meinem Buch Fleischverzehr).

Diese Einsicht veranlaßte Albert Einstein zur Feststellung: „Nichts wird die Chancen für ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zu einer vegetarischen Ernährung.“  

 


Wo ein Jäger lebt, können zehn Hirten leben,
hundert Ackerbauern oder tausend Gärtner. Alexander von Humboldt