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Vitamine und Vitaminoide


von Thomas Klein

 

Worin unterscheiden sich Vitamine von Vitaminoiden (vitaminähnliche Substanzen)?
 



Mehr über Vitaminoide in diesem Buch:

Thomas Klein
Raimund von Helden

Osteoporose

als Folge fehlerhafter Ernährung und Lebensweise

Über die Irrtümer der Osteoporose-Medizin
und die Kunst, gesund zu bleiben

Vitamin C, D, E, K1 und K2 , Magnesium,
Spurenelemente, Antioxidantien, Säure-Basen-Haushalt,
die Gefahr der Kalzium- und Phosphatüberlastung,
die richtigen Grundnährstoffe,
Bewegung, Sport und Krafttraining


















 (mehr über Glutathion)

 

 

Vitamine sind organische Verbindungen, die der Organismus nicht als Energieträger nutzt, sondern für andere lebenswichtige Funktionen braucht. Die beiden wesentlichen Merkmale: (1) Vitamine sind lebensnotwendig; ein Mangel führt zu spezifischen Mangelerscheinungen, zu Krankheit und gesundheitlichem Verfall. (2) Vitamine können nicht vom Organismus selbst gebildet werden. Vitamine müssen also mit der Nahrung zugeführt werden (sie sind essentiell). – Vitamine sind also durch zwei Eigenschaften gekennzeichnet: Sie sind lebensnotwendig und essentiell.

 

Auch Vitaminoide liefern keine Energie; sie üben lebensnotwendige oder gesundheitsfördernde Wirkungen aus. Doch Vitaminoide unterscheiden sich von Vitaminen: Sie sind entweder lebensnotwendig oder essentiell, aber nicht beides zugleich, wie bei Vitaminen der Fall.

Es gibt Vitaminoide der 1. Ordnung: lebensnotwendig, nicht essentiell. Das heißt, sie werden vom Körper selbst gebildet, unter Umständen jedoch nicht in ausreichendem Maße.

Es gibt Vitaminoide der 2. Ordnung: nicht lebensnotwendig, aber gesundheitsfördernd und essentiell. Sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Man kann ohne sie überleben, ohne eindeutige Mangelerscheinungen zu entwickeln. Dennoch leidet die Gesundheit unter einem Mangel.

 

Vitaminoide der 1. Ordnung (lebensnotwendig und nicht essentiell) sind zum Überleben notwendig, doch der Organismus bildet sie selbst: Ubichinon-Q 10 (Koenzym Q 10), α-Liponsäure, Glutathion, Kreatin, Carnitin.

Wenn die körpereigene Bildung nicht ausreicht, ist die Zufuhr über ein Präparat ratsam, damit eine optimale Versorgung sichergestellt wird. Auch die Nahrung trägt bei einzelnen Vitaminoiden zur Versorgung bei (z. B. Kreatin, Carnitin), bei Ubichinon-Q 10 ist die Zufuhr allerdings vernachlässigbar gering und damit unzureichend.

 

Vitaminoide der 2. Ordnung (nicht lebensnotwendig, aber gesundheitsfördernd und essentiell): Sie können nur mit der Nahrung zugeführt werden, sie werden allerdings nicht unbedingt gebraucht. Man kann ohne sie überleben und entwickelt keine spezifischen Mangelerkrankungen. Doch diese Vitaminoide verhelfen zu besserer Gesundheit, etwa aufgrund ihrer Wirkung als Antioxidans, sie verlangsamen die Alterung, verbessern Leistungskraft und Befinden, zum Beispiel: Polyphenole, Flavonoide, Anthocyane und Lignane (in der Regel nur in Obst, Gemüse und Kräutern enthalten, ebenso in Nüssen und Samen). Sie verringern das Risiko für die Entwicklung von degenerativen Erkrankungen.

 

Die Grenzen zwischen Vitamin und Vitaminoid sind artspezifisch: Tiere, die keine Ascorbinsäure bilden, sind auf die Zufuhr angewiesen (Affen, Meerschweinchen, einige Vögel und Fledermäuse in den Tropen). Auch der Mensch vermag keine Ascorbinsäure zu bilden. Für diese Arten ist Ascorbinsäure als Vitamin C lebensnotwendig und essentiell.

Für andere Arten ist Ascorbinsäure zwar auch lebensnotwendig, aber nicht essentiell, und damit kein Vitamin, sondern ein Vitaminoid der 1. Ordnung, weil diese Tiere selbst Ascorbinsäure bilden.

Notwendig für den Menschen ist eine Mindestversorgung, um spezifische Mangelerscheinungen wie Skorbut zu vermeiden (Mangel im engeren Sinne). Die gesteigerte Zufuhr bringt jedoch gesundheitliche Vorteile. Somit wirkt Vitamin C in höherer Dosis als Vitaminoid der 2. Ordnung. Die Bedarfsempfehlungen zielen meist nur auf die Vermeidung eines spezifischen Mangels. Wir erstreben jedoch eine optimale Gesundheit auch im Alter und benötigen deshalb deutlich mehr Vitamin C, also nicht nur 100 mg täglich, sondern mindestens 1000 mg.

Mit Vitamin E verhält es sich ähnlich. Ein echter Vitamin-E-Mangel läßt sich bereits mit einer geringen Dosis verhüten. Doch für eine gute Versorgung und einen guten antioxidativen Schutz sind größere Mengen notwendig, wodurch es zu einem Vitaminoid der 2. Ordnung wird. Gebraucht wird der natürliche Vitamin-E-Komplex, vor allem die Tocotrienole wegen ihrer hohen antioxidativen Kapazität. Tocotrienole sind Vitaminoide der 2. Ordnung.

Vitamin A ist ein echtes Vitamin. Dennoch kann es aus bestimmten Karotinoiden vom Körper selbst gebildet werden (α-, β-Carotin, β-Cryptoxanthin). Bei unzureichender Vitamin-A-Zufuhr über tierische Nahrung sind diese pflanzlichen Karotinoide echte Vitamine oder vielmehr Provitamine (essentiell und lebensnotwendig). Karotinoide, die nicht in Vitamin A umgewandelt werden, wirken antioxidativ und sind somit Vitaminoide der 2. Ordnung, das heißt, sie verhelfen zu einer besseren Gesundheit.

Vitamin D kann bei UV-Bestrahlung der Haut selbst vom Organismus gebildet werden. Dadurch wird es zu einem Vitaminoid der 1. Ordnung, lebensnotwendig, aber nicht essentiell. Essentiell ist vielmehr die UVB-Bestrahlung der Haut.

Auch kann man lange mit einem Vitamin-D-Mangel leben, ohne daß es auffällt. Deshalb wird ein Mangel meist übersehen. Zudem sind die Grenzen fließend zwischen lebensnotwendig und gesundheitsfördernd, besonders was die langfristige Gesundheit betrifft. Hier trägt Vitamin D eher den Charakter eines Vitaminoids der 2. Ordnung. Obendrein übt die Speicherform von Vitamin D keine eigene Wirkung aus; die Speicherform ist nur der Ausgangsstoff zur Bildung einer hormonell wirksamen Substanz, des aktiven Vitamin D. Somit ist die Speicherform von Vitamin D nur ein Prohormon mit vitaminähnlichen Eigenschaften.

Es ist ein weitverbreiteter Fehler, allenfalls auf Vitamine zu achten und die Vitaminoide zu ignorieren. Auch darf man nicht bloß auf spezifische Mangelerscheinungen schauen und unspezifische und langfristige Wirkungen übersehen, etwa die schnellere Alterung und den allmählichen gesundheitlichen Verfall bei Mangel und Unterversorgung.

Für Pflanzen gibt es übrigens keine Vitamine, weil Pflanzen alle organischen Verbindungen selbst bilden, zum Teil auch in Symbiose mit Bakterien und Pilzen.