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Fruktose-Malabsorption



Thomas Klein 

 

Gestörte Aufnahme von Fruktose im Darm

Diese Art der Fruktose-Intoleranz ist recht häufig und betrifft hierzulande immerhin etwa 30 bis 50 Prozent aller Erwachsenen.

Dabei wird dem Speisebrei im Dünndarm nicht genug Fruktose entzogen, so daß ein mehr oder weniger großer Teil davon in den Dickdarm gelangt und von den Darmbakterien vergoren wird. Je nach Ausmaß der Gärung kommt es zu Blähung, zum Auftreiben der Gedärme verbunden mit Völlegefühl, unter Umständen auch zu Schmerzen und Durchfall.

Die Aufnahme von Fruktose erfolgt über die Schleimhautzellen im Dünndarm, vermittelt durch verschiedene GLUT-Proteine, also durch Transportproteine, die das Fruktosemolekül durch die Zellmembran befördern und wodurch Fruktose vom Darminneren ins Blut gelangt.

Bei Fructose-Malabsorption ist meist die Funktion der GLUT-Proteine herabgesetzt.

 

Störung der Aufnahme aufgrund von Schleimhautschäden

Ist die Dünndarmschleimhaut geschädigt, etwa durch regelmäßige Zufuhr von Agglutininen über Brot und Getreideprodukte, ist auch die Aufnahmekapazität für Fruktose vermindert. Derartige Schleimhautschäden bleiben in der Regel unerkannt, selbst wenn sie gravierend sind.

Eine Regeneration der Darmschleimhaut erfordert das vollständige Weglassen von Brot, Mehlspeisen und Getreideprodukten. Diese Gesundung dauert selbst dann mehrere Monate.

 

Überlastung mit Zucker

Selbst bei einer gesunden Schleimhaut im Dünndarm kann nur eine begrenzte Menge an Fruktose aufgenommen werden. Im Laufe der Evolution lag die Dosis allenfalls bei 10 bis 25 Gramm Fruktose täglich. In vielen Regionen waren monatelang überhaupt keine Früchte und damit keine Fruktose verfügbar. Auch Honig ist in der Wildnis sehr selten zu erbeuten.

Heutzutage werden jedoch im Durchschnitt 80 bis 100 Gramm Fruktose zugeführt, überwiegend als Fabrikzucker (Rübenzucker, Rohrzucker, Fruktosesirup). Nicht wenige Menschen kommen sogar auf über 150 Gramm Fruktose täglich, mehr als die zehnfache Menge dessen, woran wir angepaßt sind.

Es sollte allenfalls so viel Fruktose zugeführt werden, wie auch aufgenommen und verwertet werden kann. Bei vielen Menschen ist die Toleranzschwelle bei 5 oder 10 Gramm Fruktose pro Mahlzeit erreicht. Das entspricht der geringen Menge von 10 oder 20 Gramm Zucker (Rübenzucker und Rohrzucker bestehen je zur Hälfte aus Glukose und Fruktose).

Bei den Zutatenlisten ist auf folgende Bezeichnungen zu achten: Fruktose, Fruchtzucker, Fruktosesirup, Stärkesirup, Apfeldicksaft, Birnendicksaft, Agavensirup. Dahinter verbirgt sich stets ein hoher Fruktoseanteil.

Fruktose wird wegen seiner starken Süßkraft geschätzt, denn sie ist doppelt so hoch wie die der Glukose. Zudem wird Fruktosesirup billig über Glukosesirup aus Mais gewonnen. Das macht Fruktosesirup so attraktiv für die Süßwaren-, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie.

 

Glukose verbessert die Aufnahme von Fruktose

Es ist von Vorteil, wenn ein Nahrungsmittel mehr Glukose als Fruktose enthält (siehe die beiden Tabellen unten).

 

Sorbit hemmt die Aufnahme von Fruktose

Zuckeraustauschstoffe blockieren das GLUT-5-Protein und hemmen dadurch die Fruktoseaufnahme. Zu diesen Stoffen gehören Sorbit (E 420), Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Laktit (E 966), Xylit (E 967).

Sorbit kommt auch in vielen Früchten vor, in Birnen, Pflaumen, Kirschen und Aprikosen zum Beispiel. Wer unter einer Fruktose-Aufnahmestörung leidet, sollte bei diesen Früchten vorsichtig sein und diese allenfalls in kleinen Mengen essen.

 

Schnelle Darmpassage

Die Aufnahme der Fruktose ist auch davon abhängig, wie schnell der Speisebrei den Dünndarm passiert. Sehr schnell geht es bei zuckerhaltigen Getränken wie Cola, Limonade, gesüßtem Kaffee und Fruchtsäften.

Fabrikzucker enthält keine Faserstoffe, was sich auch bei Süßigkeiten nachteilig auswirkt.

Faserstoffe in Früchten hingegen verlangsamen die Darmpassage, so daß über eine längere Zeit mehr Fruktose aufgenommen wird. Dadurch gelangt weniger Fruktose unverdaut in den Dickdarm, so daß weniger von den Bakterien vergoren werden kann. Besonders Wildfrüchte mit ihrem hohen Faserstoffanteil und wenig Fruktose sind vorteilhaft.

Man kann Früchte auch mit Feldsalat, Eisbergsalat oder Chicoree kombinieren. Wegen der zusätzlichen Faserstoffe wird die Darmpassage verlangsamt und die Fruktose besser verwertet. Die Verträglichkeit der Früchte verbessert sich.

Ebenso wie Faserstoffe verlängern auch Fett und Protein die Darmpassage und verbessern dadurch die Aufnahme von Fruktose.

 

Die Aufnahme der Fruktose ist auch von der Gewöhnung abhängig

Wer sich überhaupt keine Fruktose zuführt, der ist bald davon entwöhnt und die Zahl der GLUT-5-Proteine der Schleimhautzellen des Darmes ist vermindert. Dann kann bereits die geringfügige Zufuhr von Fruktose Verdauungsbeschwerden bereiten.

Die Fruktose-Verträglichkeit ist also auch eine Frage der Gewöhnung. Dabei sollte jedoch maßgehalten und der Organismus nicht mit Fruktose überlastet werden. Selbst wenn die Fruktose gut aufgenommen wird, so muß sie anschließend schnell von der Leber in Glukose umgewandelt werden.

 

Schlechte Aufnahme von Fruktose bei Säuglingen

Säuglinge von unter einem Jahr können generell nur schlecht Fruktose aufnehmen. Ab einem Alter von zwei Jahren jedoch ist die Aufnahmekapazität gut.

 

Fruktoseanteil des Zuckers

Fabrikzucker, egal ob aus Zuckerüben oder Zuckerrohr gewonnen, besteht zur Hälfte aus Glukose und Fruktose.

Glukosesirup, mitunter auch als Maissirup bezeichnet, weil dieser aus Maisstärke hergestellt wird, besteht vollständig aus Glukose und enthält allenfalls etwas Maltose und Stärkereste, die bei der Verdauung jedoch ebenfalls zu Glukose abgebaut werden.

Durch enzymatische Umwandlung wird aus Glukosesirup preiswert Fruktosesirup produziert (HFCS –High Fructose Corn Syrup), der in unterschiedlicher Menge Fruktose enthält.

Bei Honig ist der Anteil von Fruktose meist etwas höher als der der Glukose. Die exakte Zusammensetzung ist von der Art der Bienenweide abhängig.

Agavensirup und Birnendicksaft, in der Biobranche oft zum Süßen verwendet, wirken ernährungsphysiologisch wie hochprozentiger Fruktosesirup und sind ebenso gefährlich. Letztlich entscheidet nur die zugeführte Menge.


Fruktose- und Glukoseanteil verschiedener konzentrierter Zuckerarten (in %)
 

Zuckeranteil Fruktose
Glukose Verhältnis
Fruktose/Glukose
Rohrzucker,
Rübenzucker
50 % 50 %  1:1
Glukosesirup   100 %  
Fruktosesirup (HFCS - High Fructose Corn Syrup)
HFCS-42 42 % 58 %  3:4
HFCS-55 55 % 45 %  5:4
HFCS-90 90 % 10 %  9:1
 Honig 55 % 45 % 5:4
 Agavensirup 80 %  20 % 4:1
 Birnendicksaft  80 % 20 % 4:1



 



Fruktose- und Glukosegehalt von Früchten (in g/100g)


g/100g

Fruktose

Glukose

Fruktose/Glukose

Sorbit

Ananas

2,4

2,1

1,14

 

Apfel

5,7

2,0

2,85

0,33

Aprikose

0,9

1,7

0,53

0,80

Avocado

 

1,4

   

Banane

3,4

3,5

0,97

 

Birne

6,7

1,7

3,94

2,09

Erdbeere

2,2

2,2

1,00

0,03

Feige

5,5

7,0

0,79

 

Grapefrucht

2,1

2,4

0,88

 

Heidelbeere

3,3

2,5

1,32

 

Himbeere

2

1,8

1,11

0,01

Johannisbeere

2,5

2

1,25

 

Kaki

8

7

1,14

 

Kiwi

4,6

4,3

1,07

 

Litchi

3,2

5

0,64

 

Mandarine

1,3

1,7

0,76

 

Mango

2,6

0,9

2,89

 

Nektarine

1,8

1,8

1,00

0,81

Orange

2,6

2,3

1,13

 

Papaya

3,5

3,6

0,97

 

Pfirsich

1,23

1,04

1,18

0,69

Pflaume

2

3,36

0,60

2,61

Preiselbeere

2,93

3,03

0,97

 

Süßkirsche

6,3

7,13

0,88

1,89

Wassermelone

3,9

2

1,95

 

Weintraube

7,1

7,1

1,00

0,1


Quelle: DGE-Infothek. Essen und Trinken bei Fructosemalabsorption. Bonn 2012.

Vorteilhaft ist ein Fruktose-Glukose-Verhältnis von unter 1,0. Bei Früchten mit einem hohen Verhältnis kann es Verdauungsstörungen geben, ebenso bei Früchten mit Sorbit.

 

Ernährungsempfehlungen

  • Drastische Beschränkung des Zuckerkonsums. Damit bleibt die Fruktosebelastung gering.
  • Zucker sollte möglichst nur über Früchte und Gemüse zugeführt werden.
  •  Fabrikzucker, konzentrierten Zucker und Honig am besten ganz weglassen.
  • Viel Salat, Gemüse und Gemüsefrüchte. Diese enthalten nur sehr wenig Zucker und damit nur sehr wenig Fruktose.
  • Obst in Maßen, je nach individueller Verträglichkeit. Notfalls Obst mit Feldsalat, Chicoree oder anderen Salat kombinieren.
  • Bei Unverträglichkeit gegenüber Obstsorten mit hohem Fruktosegehalt, diese besser meiden. Das gilt auch für Sorten mit viel Fruktose im Verhältnis zu Glukose.
  • Vorsicht bei Früchten mit hohem Sorbitgehalt (Pflaumen, Kirschen, Birnen). Bei reichlichem Verzehr kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen.


 

 



Regulation of the fructose transporter GLUT5 in health and disease