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Carnitin


Thomas Klein, 16. Januar 2014

 

Funktion

Carnitin übt diese biologischen Funktionen aus:

  • Aufrechterhaltung der Konzentration an freiem Koenzym A in den Mitochondrien.
  • Export von kurzkettigen Acylgruppen aus den Mitochondrien.
  • Fangrezeptor für unerwünschte Acylradikale.
  • Carnitin fungiert zudem als Rezeptormolekül für freie langkettige Fettsäuren und transportiert diese durch die innere Membran der Mitochondrien, wo sie oxidativ verwertet werden. Carnitin ist damit notwendig für die energetische Nutzung von langkettigen Fettsäuren in den Zellen, was wichtig ist für die Ausdauerleistungsfähigkeit von Skelettmuskeln und Herzmuskel.

 

Bildung und Zufuhr

Carnitin wird aus den Aminosäuren Lysin und Methionin gebildet. Eine ausreichende Zufuhr an diesen Aminosäuren über genug Protein ist deshalb erforderlich. Bei pflanzlichem Protein ist zu bedenken, daß gegenüber tierischem Protein weniger Lysin pro Gramm Protein enthalten ist.

Die Bildung von Carnitin ist zudem von Vitamin C, B6 und B3 (Niacin) sowie von Eisen abhängig. In dieser Hinsicht ist ein hoher Anteil von Gemüse, möglichst als Rohkost, von Vorteil.

Carnitin ist zudem in vielen Nahrungsmitteln enthalten, in der höchsten Konzentration in rotem Fleisch. Auf diese Weise wird es direkt zugeführt und erhöht damit zusätzlich die Versorgung.

Carnitingehalt in Lebensmitteln  

Bei veganer Ernährung liegt die Carnitinaufnahme nur maximal bei einem Zehntel dessen, was bei gemischter Kost hauptsächlich über Fleisch aufgenommen wird. Wird bei veganer Ernährung zudem nur wenig Protein zugeführt, kann bei knapper Versorgung mit Lysin und Methionin auch nur wenig Carnitin gebildet werden.

 

Speicherung

Carnitin ist zu 95 bis 99 Prozent im Muskelgewebe gespeichert. Durch Abmagerung und Muskelschwund schwindet auch die Kapazität zur Carnitinspeicherung.

 

Versorgungsstatus

Der Versorgungsstatus an Carnitin wird nicht nur durch die Zufuhr und körpereigene Bildung  bestimmt, sondern auch von der Ausscheidung über die Nieren. Bei Nierenfunktionsstörung und vor allem bei Nierenversagen geht viel Carnitin verloren und der Blutspiegel fällt ab. Das ist besonders kritisch bei Patienten, welche aufgrund ihrer schlechten Nierenfunktion mit der Dialyse behandelt werden.

Eine fleischreiche Ernährung führt zwar in der Jugend zu einer guten Versorgung mit Carnitin. Doch wenn infolge einer Proteinüberlastung über Jahrzehnte sich allmählich Insulinresistenz und Diabetes entwickeln und folglich die Nierenfunktion nachläßt, verschlechtert sich mit zunehmendem Alter auch die Carnitinversorgung und das trotz oder vielmehr wegen des reichlichen Fleischkonsums.

 

Normwerte

Der Normwert für Carnitin im Blutplasma liegt bei 40 bis 60 µmol/l. Manchmal werden auch Referenzwerte von 30 bis 60 µmol/l angegeben.

Der Carnitin-Blutspiegel beginnt jedoch erst abzufallen, wenn die Speicher in der Muskulatur weitgehend erschöpft sind. Also erst im Endstadium eines langjährigen Mangels an Carnitin zeigen sich im Blut krankhaft niedrige Werte.

 

Verdacht auf einen Mangel an Carnitin

  • Nierenschäden, Nierenfunktionsstörung, Dialyse
  • Diabetes Typ 1
  • Fehlernährung mit langjährigem Proteinmangel, erkennbar an Abmagerung und Muskelschwund
  • Bei Schwangerschaft besteht ein erhöhter Proteinbedarf, ansonsten ergibt sich daraus ein Carnitinmangel.
  • Entwicklungsstörung bei Kindern
  • Bestimmte Enzymdefekte
  • Bei bestimmten Arzneimitteln (z.B. Valproinsäure, Pivalinsäure)

 

Behebung des Mangels

Ein ernährungsbedingter Mangel an Carnitin ist durch Ernährungskorrektur zu überwinden (siehe oben), der sich meist durch Abmagerung und Muskelschwund zeigt. Dabei ist vor allem ausreichend Protein zuzuführen, notfalls ergänzt durch Carnitin-Präparate.

Bei Mangel aufgrund anderer Ursachen empfiehlt sich die Zufuhr von Carnitin über Präparate, sobald der Blutspiegel auf kritische Werte abfällt.

 

Carnitin und sportliche Leistungsfähigkeit

Bei Ausdauersportlern ist die Einnahme von Carnitinpräparaten beliebt, weil es die oxidative Verwertung von Fettsäuren in den Mitochondrien der Muskelzellen einschließlich des Herzmuskels verbessert und zudem die Regeneration nach Training und Wettkampf beschleunigt.

Einige Studien belegen positive Effekte, andere nicht.

Diese Diskrepanz ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß bei guter Versorgung mit Carnitin über die Nahrung keine Verbesserung durch zusätzliche Zufuhr über Präparate zu erreichen ist. Und bei einer Unterversorgung an Carnitin können auch andere Nährstoffe fehlen, wodurch die Fettverwertung in den Muskelzellen gestört bleibt, selbst wenn ausreichend Carnitin zugeführt wird.

 

Gesteigerte Fettverbrennung

Viele erhoffen sich von Carnitin eine gesteigerte Fettverbrennung und dadurch den Abbau unschöner Fettdepots. Doch hiermit kommt man nicht weit. Da ist es sinnvoller, Insulinresistenz zu überwinden und Insulinspiegel sowie Blutzuckerspiegel flach zu halten. In dieser Hinsicht erweist sich Proteinüberlastung über reichlichen Fleischverzehr als nachteilig.

 


Ein umfangreicher Artikel über
L-Carnitin 

Ebenfalls sehr ausführlich:

L-Carnitin – Definition, Synthese, Resorption, Transport und Verteilung



Acetyl-L-Carnitin
  
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