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Die China-Studie

     
Englische Sprache

Campbell, Colin; Campbell, Thomas: Die “China-Study”
und ihre verblüffenden Konsequenzen für die Lebensführung



Die China-Studie

Die Zusammenfassung der umfangreichsten Ernährungsstudie ist nun auch in deutscher Übersetzung erhältlich

 

Thomas Klein

 

Die China-Studie, von der New York Times als „Grand-Prix der Epidemiologie“ gelobt, ist die umfangreichste jemals durchgeführte Untersuchung über den Einfluß der Ernährung auf die Gesundheit. Professor Colin Campbell, ein weltweit renommierter Ernährungswissenschaftler, hat diese Studie geplant und geleitet.

Dabei wurden während eines längeren Zeitraums in 24 Provinzen Chinas Daten einer großen Anzahl von Menschen darüber gesammelt, was sie essen, unter welchen Krankheiten sie leiden und woran sie sterben. So ergaben sich etwa 8000 statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ernährungsfaktoren und bestimmten Erkrankungen.

Aber diese Untersuchung ist nicht nur wegen ihres Umfanges und der detaillierten Datenerfassung bemerkenswert, sondern auch aufgrund der ethnischen und damit genetischen Homogenität der Studienteilnehmer. Denn 93 Prozent der Staatsbürger sind Han-Chinesen. Dadurch fielen genetische Unterschiede kaum ins Gewicht und die Erkrankungshäufigkeit war somit allein auf Ernährung, Lebensweise und Umweltfaktoren zurückzuführen.

Als die Daten erhoben wurden, begann die Industrialisierung Chinas erst einzusetzen. Die meisten Studienteilnehmer haben sich ihr gesamtes Leben weitgehend traditionell ernährt (wenig Protein und Fett, dafür viel Kohlenhydrate, also wenig Fleisch, keine Milch und keine Milchprodukte, dafür überwiegend Reis, Gemüse und Früchte, keine Fabriknahrungsmittel, kaum Weißmehlprodukte, keine raffinierten Öle und keine Süßigkeiten). Diese Ernährungsweise hebt sich deutlich ab von der in den USA, die als Vergleichsmaßstab diente, und auch von der in Europa. Diese großen Unterschiede waren ein Glücksfall für die Wissenschaft und erlaubten bemerkenswerte Rückschlüsse darüber, in welch hohem Maße Erkrankungen ernährungsbedingt sind.

Die untersuchten Chinesen litten kaum und in einigen Regionen so gut wie überhaupt nicht unter sogenannten Zivilisationserkrankungen, die in den westlichen Industrieländern so häufig sind. Das betrifft vor allem Krebserkrankungen, Arteriosklerose (mit den Folgen wie Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt, Hirnschlag, Niereninsuffizienz, Netzhautschäden usw.), Übergewicht und Fettleibigkeit, Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Multiple Sklerose, Osteoporose, Nierensteine, Eintrübung der Augenlinse, Makula-Degeneration, kognitive Störungen (Beeinträchtigung des Denk- und Erinnerungsvermögens) und Demenz. Die Unterschiede in der Erkrankungshäufigkeit, teils um Faktor 10 oder sogar 500, sind beeindruckend.

Doch das Buch erschöpft sich nicht in der China-Studie. Colin Campbell hat unter Mithilfe seines Sohnes Thomas die Erkenntnisse zusammenfaßt, die er im Laufe seines langen Lebens als Gelehrter und Forscher gewonnen hat. Schon das Literaturverzeichnis mit über 34 kleinbedruckten Seiten im Lexikonformat und über 750 Primärquellen zeugt von der Fülle, aus der die Autoren schöpfen.

Die Grundaussagen des Buches, die mit so vielen Studien überzeugend untermauert werden, lauten: Es genügt nicht, ein bißchen weniger Fleisch und Käse zu essen und dafür mehr Kohlenhydrate. Nein, der Verzehr tierischer Nahrungsmittel muß minimiert, ja am besten ganz weggelassen werden, wenn man auch im Alter gesund, kräftig und leistungsfähig bleiben möchte. Die Nahrung sollte möglichst naturbelassen sein. Obst und Gemüse dürfen nicht bloß als Beikost betrachtet werden, sondern sind unverzichtbar als Grundnahrungsmittel und sollten einen möglichst großen Teil unseres Kalorienbedarfs decken.

Unsere Ernährung ist unser Schicksal. Die Unterschiede in der Erkrankungsanfälligkeit sind allenfalls zu ein bis drei Prozent durch genetische Differenzen zu erklären. Auch die Umweltfaktoren treten hinter der Ernährung und Lebensweise zurück. Wir haben unser Lebensglück, das maßgeblich durch die Gesundheit bestimmt wird, also selbst in der Hand.

In diesem Sinne preist John Robbins das Buch als einen „großartigen Lichtstrahl im Dunkel unserer Zeit“, der „die tatsächlichen Zusammenhänge von Ernährung und Gesundheit … klar und vollständig erhellt“.

So aufschlußreich die Lektüre für mich auch gewesen ist, irritiert war ich über die unzähligen Großschreibungen, sinnentstellenden Getrenntschreibungen und wegen des Fehlens vieler Kommata. Warum ist man nicht einfach bei der bewährten klassischen Rechtschreibung geblieben, um dem Leser die Lektüre zu erleichtern? Weshalb mußte unbedingt eine dieser seltsamen Variantenschreibungen angewendet werden? Das raubt diesem so wichtigen Werk Wirksamkeit und Seriosität.

Bedauerlich ist ferner, daß der Buchtitel nicht übersetzt, sondern vom amerikanischen Original übernommen wurde. Es spricht doch nichts gegen den Titel „Die China-Studie“, auch wenn sich der Begriff „China-Study“ in den USA „fest etabliert“ hat.

Da kann zumindest der Englischlesende auch gleich zur Originalfassung greifen, zumal dieses als Taschenbuch hierzulande für nur 12 Euro (bei Amazon) zu haben ist und man sich nicht wie bei der Übersetzung über die vielen Regelverletzungen vernünftiger und bewährter Orthographie ärgern muß.

Schade ist auch, daß die Werbeaussage der Ursprungsfassung („Die umfangreichste Ernährungsstudie, die je durchgeführt wurde“) bei der Übersetzung abgeschwächt wurde: „Die wohl umfangreichste Studie zu Ernährung und Krankheit.“ – Und wenn von „verblüffenden Konsequenzen für die Lebensführung“ im Untertitel die Rede ist, so möchte der Rezensent anmerken, daß er keineswegs verblüfft war, sondern sich in seinen bisher gewonnenen Erkenntnissen bestätigt sieht durch dieses faktenreiche Buch und den umfassend begründeten Schlußfolgerungen der Autoren.

Dennoch sei jedem zur Lektüre geraten. Mit diesem komprimierten Wissen wird der Leser in die Lage versetzt, sich selbst, seinen Familienangehörigen und Freunden viel Leid, Unheil und Krankheitselend zu ersparen.

Und nicht zuletzt können wir dadurch auch beitragen, den beklagenswert schlechten Gesundheitszustand unseres Volkes zu heben. Gesundheit ist, wie einst Max Bircher-Benner mahnte, die Grundlage für alles andere. Nur ein gesundes Volk ist zu den höchsten Leistungen befähigt. Die kommenden schweren Zeiten werden nur zu meistern sein, wenn wir gesund sind. Das gilt für jeden einzelnen und ganze Völker gleichermaßen.

 

Weitere Informationen:
The China-Study (die amerikanische Originalfassung)
Die China-Studie (die deutsche Übersetzung)


 


 

  Das Original     Die deutsche Übersetzung